Predigt zum 3. Fastensonntag

Vielleicht kann Ihnen die Predigt Hilfe und Anregung sein. So bleiben wir gemeinsam verbunden, auch wenn wir im Moment nicht gemeinsam Gottesdienst feiern können. Gott segne Sie alle! Ihr Pastor Meik Schirpenbach und das Seelsorgeteam

Liebe Schwestern und Brüder,

Predigt zum 3. Fastensonntag, 15.3.2020

Joh 4.5-42

Jesus und die Samariterin am Jakobsbrunnen

 

Liebe Schwestern und Brüder,

der Jakobsbrunnen, von dem im Evangelium die Rede ist, befindet sich in der Nähe der Stadt Nablus in Palästinensergebiet und ist bis heute weit über 100 m tief. Es steht für die tiefe Quelle in uns selber, die Jesus mit uns freilegen möchte. Um dorthin zu gelangen, stellt er uns zuerst die Frage: „Weißt du eigentlich worin die Gabe Gottes besteht? Weißt Du, was Gott Dir geben will und was Du von Ihm erwarten kannst?“

 

Diese Gabe ist wenig äußerlich betrachtet wenig konkret. Sie entspricht nicht dem was wir manchmal erwarten, z.B. besondere Hilfe, oder jetzt vielleicht Schutz vor dem Coronavirus. Wir können Gott gegenüber keine Erwartungshaltungen an den Tag legen. 

 

Das gilt im Sinne einer grundsätzlichen Haltung: welche Erwartungshaltung habe ich eigentlich an mein Leben? Was sollte einmal da drunter stehen? Sind es wirklich die konkreten Dinge, die man erreichen muss, bei denen wir aber manchmal spüren, wenn wir sie erreicht haben, dass sie uns doch nicht wirklich in der Tiefe zufrieden machen? 

 

Jetzt wird in diesen Tagen unser Leben von außen her völlig eingeschränkt. Das wirft uns sehr hart auf uns selbst und unsere Grenzen zurück. Vielleicht wird diese Auszeit gravierende Folgen für unsere Wirtschaft haben? Vielleicht wird uns die Klimakrise einmal noch härtere Maßnahmen abverlangen? Äußere Sicherheiten erweisen sich als nicht mehr tragfähig. 

Jesus schenkt der Frau am Brunnen nichts Konkretes, er beschenkt sie allein durch seine Gegenwart. Das gilt auch für uns. Jesus will uns allein mit Gottes Gegenwart beschenken. Diese Gegenwart aber hat damals Menschen verändert, weil sie ihn ihnen etwas frei gesetzt hat: das was wir den Geist nennen, die tiefe Quelle in uns, eine Liebe und Lebendigkeit, die wir selber nicht erzeugen können, die allein unserem Leben aber Halt geben kann.

Jesus spricht davon Gott „im Geist und in der Wahrheit“ anzubeten. Damit meint er, dass wirkliches Gebet nicht bedeutet, unsere Anliegen Gott vorzutragen, sondern umgekehrt uns von Gott prägen zu lassen. D.h. auch, dass was wir wirklich sind von ihm zu empfangen, uns Formen zu lassen. Das meint Anbetung. Wir kennen das als eucharistische Anbetung. Aber jetzt in der Zeit ohne gemeinsame Gottesdienste können wir uns einfach da wo wir sind still Gott aussetzen. 

Dies kann zu einer Erfahrung innere Stärkung werden, die die Angst vor dem äußeren nimmt, dass wir nicht mehr im Griff haben. Es geht um ein Vertrauen ins Leben jenseits aller konkreten Dinge die ich im Griff haben kann. Diese Haltung nennen wir in unserer christlichen Überlieferung Hoffnung. Hoffnung bedeutet, mit dieser offenen Richtung des Lebens seinen Weg gehen zu können, ohne dass das große Ziel klar sein muss.

Jesus beschreibt keinen Idealzustand, den wir erreichen müssen, sondern die Dynamik eines ständigen Neubeginns. Die Frau am Jakobsbrunnen, die ja offensichtlich einsam in der Mittagshitze dort hingeht (sechste Stunde = 12h), ist eine Frau, die viele Brüche in ihrem Leben kennt und die eher am Rande steht. Genau für solche Lebenserfahrungen gilt das was Jesus anstoßen will. 

 

Hoffnung ist eigentlich eine kindliche Haltung, im guten Sinne. Es steht für die Leichtigkeit, trotz aller harten Wirklichkeit immer wieder von vorne anfangen zu können, immer wieder neu aufzubrechen. Wir leben aus dieser Kraft des Anfangs jeden Tag, bis zum letzten Tag unseres Lebens hier. Damit können wir tatsächlich immer wieder aus scheinbar geschlossenen Situationen innerlich aufbrechen, und manches bricht auch äußerlich auf.

Es ist doch auch ein interessantes Phänomen in der Natur, dass vieles trübe Wasser im Boden versickert und dann zu einer neuen reinen Quelle wird. Das geschieht auch mit dem, was in unserem Leben sich abspielt. Tief in uns schafft Gott etwas Neues.


Unsere menschlichen Begegnungen werden dadurch echter, tiefer und tragender. Wir haben weniger überfordernde Erwartungen aneinander. Wir dürfen versuchen, an dieser inneren Quelle dran zu bleiben, um so wirklich ehrlich vor einander zu sein – denn wir alle sind bedürftig nach diesem Wasser - als die Menschen, die wir sind, in der ganzen Spannung unseres Lebens.

 

Lassen wir versuchen, uns in diesen Tagen dieser inneren Quelle auszusetzen. Darin bleiben wir bei aller räumlichen Trennung verbunden. 

Beten wir für alle, die jetzt Angst haben; für alle Erkrankten und für alle im Gesundheitswesen tätigen, die an ihre Grenzen kommen; für alle die jetzt besondere Verantwortung übernehmen müssen.

 

Ihr Pastor Meik Schirpenbach

 

 

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